Gibst du deinen deutschen Wohnsitz auf, verlierst du aus Sicht deines Brokers den Status als Inlandskunde. Bleibst du innerhalb der EU, führen viele deutsche Broker das Depot weiter. Ziehst du in ein Land außerhalb der EU, etwa nach Argentinien, kündigen die meisten Broker das Depot oder sperren neue Käufe. Der saubere Weg: ein auslandstaugliches Depot eröffnen, solange du noch in Deutschland gemeldet bist, und deine Wertpapiere dorthin übertragen.
Ein reiner Depotübertrag auf dein eigenes neues Depot ist dabei kein Verkauf und löst keine Steuer aus, solange der Eigentümer derselbe bleibt. Die seit 2025 erweiterte Wegzugsteuer auf Fonds und ETFs trifft nur große Vermögen. Worauf es ankommt, klären wir hier Schritt für Schritt.
Du hast ein Depot bei einem deutschen Broker und planst die Auswanderung. Du willst wissen, ob dein Depot bestehen bleibt, wohin du es überträgst und welche steuerlichen Punkte du vor der Abmeldung klären solltest.
Was beim Wegzug mit deinem Depot passiert
Deutsche Broker arbeiten mit einer Annahme: Du wohnst in Deutschland. Daran hängen die steuerliche Behandlung, die Meldepflichten und die Frage, in welche Länder der Broker seine Dienstleistung überhaupt anbieten darf. Verlegst du deinen Wohnsitz, fällt diese Annahme weg, und der Broker muss neu entscheiden, ob er dich als Kunde behalten kann.
Innerhalb der EU
Verlegst du deinen Wohnsitz in ein anderes EU-Land, ist die Lage meist entspannt. Über die europäischen Regeln für Finanzdienstleistungen dürfen viele Broker EU-Kunden weiterführen. Die Steuer ändert sich allerdings: Mit dem Wegzug fällt in der Regel die automatische Abführung der Abgeltungsteuer weg, und du versteuerst deine Erträge im neuen Wohnsitzland. Einige Broker stellen das Konto dann auf eine nicht steuereinfache Variante um.
Außerhalb der EU
Beim Wegzug in ein Drittland wird es enger. Viele deutsche Broker schließen Kunden mit Wohnsitz außerhalb der EU aus, weil sie dort keine Zulassung haben oder den Aufwand scheuen. In der Praxis heißt das: Kündigung des Depots, Sperre für Neukäufe oder die Aufforderung, das Depot innerhalb einer Frist zu übertragen. Wer das erst nach der Abmeldung merkt, steht unter Zeitdruck.
Frag bei deinem Broker konkret nach, wie er mit deinem künftigen Wohnsitzland umgeht. Die Regeln stehen selten klar auf der Webseite und unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter deutlich.
Welche Broker für Auswanderer taugen
Brauchbar sind Broker, die Kunden mit ausländischem Wohnsitz ausdrücklich zulassen. Vergleichsportale nennen dafür immer wieder zwei Namen: Interactive Brokers und CapTrader, ein deutschsprachiger Vermittler, der über Interactive Brokers abwickelt. Beide führen Kunden auch außerhalb der EU und sind auf international mobile Anleger eingestellt. Ein Punkt, den du einplanen solltest: Diese Broker sind in Deutschland nicht steuereinfach. Du musst deine Erträge selbst in der Steuererklärung angeben, solange du noch steuerpflichtig bist.
Entscheidend ist das Timing. Eröffne das neue Depot, solange du noch einen deutschen Wohnsitz hast. Nach der Abmeldung wird die Kontoeröffnung schwieriger bis unmöglich, weil viele Anbieter eine Legitimation mit deutscher Adresse erwarten. Plane für die Eröffnung und die Prüfung deiner Unterlagen einige Wochen ein, nicht ein paar Tage.
| Dein Zielland | Was meist passiert | Empfehlung |
|---|---|---|
| EU-Land | Depot läuft oft weiter, Steuer wechselt ins Wohnsitzland | Beim Broker nachfragen, Umstellung klären |
| Land außerhalb der EU | Kündigung oder Kaufsperre wahrscheinlich | Auslandstaugliches Depot vor der Abmeldung eröffnen |
| Noch unklar | Risiko, im falschen Moment ohne Depot dazustehen | Früh ein flexibles Depot einrichten |
Alle Schritte im Überblick
Die Guides zeigen dir, welche Finanz- und Behördenfragen wann anstehen. Von der Abmeldung bis zum Konto im Ausland.
Guides ansehenDepot übertragen, ohne Steuer auszulösen
Hier sitzt der häufigste Denkfehler. Viele glauben, sie müssten ihre Wertpapiere verkaufen, um sie zu einem neuen Broker zu bringen. Das stimmt nicht. Überträgst du Wertpapiere von deinem eigenen Depot auf ein anderes eigenes Depot und der Eigentümer bleibt derselbe, ist das kein Verkauf. Es fällt keine Abgeltungsteuer an, und deine Haltefristen laufen weiter.
Steuerlich relevant wird ein Übertrag erst, wenn der Gläubiger wechselt, also etwa bei einer Schenkung oder Übertragung auf eine andere Person. Achte beim Übertrag darauf, dass die Anschaffungsdaten mitwandern, also Kaufkurs und Kaufdatum. Gibt dein alter Broker diese Daten nicht weiter, etwa weil das Ziel im Ausland liegt, musst du sie beim neuen Broker selbst nachtragen. Fehlen sie, kann ein späterer Verkauf steuerlich teurer berechnet werden als nötig.
Die Wegzugsteuer auf ETFs ab 2025
Lange galten Fonds und ETFs im Privatvermögen als sicher vor der Wegzugsbesteuerung. Das hat sich geändert. Mit dem Jahressteuergesetz 2024 wurde zum 1. Januar 2025 eine Wegzugsbesteuerung für Anteile an Investmentfonds eingeführt, angelehnt an die Regeln für Beteiligungen. Beim Wegzug gelten betroffene Anteile dann als verkauft, und der nur auf dem Papier entstandene Gewinn wird besteuert.
Die gute Nachricht für die meisten: Die Regel greift erst ab einer Schwelle. Betroffen bist du, wenn die Anschaffungskosten bei einem einzelnen Fonds mindestens 500.000 Euro erreichen oder du mindestens 1 Prozent der ausgegebenen Anteile hältst. Die 500.000-Euro-Grenze gilt pro Fonds, nicht über alle Depots zusammengerechnet. Ein normaler Sparplan über breit gestreute ETFs liegt in aller Regel weit darunter.
Wenn dein Fondsvermögen in die Nähe der Schwelle kommt, lass deinen Fall vor dem Wegzug von einem Steuerberater mit Auslandserfahrung prüfen. Bei der Wegzugsbesteuerung kann Steuer auf einen Gewinn anfallen, den du gar nicht realisiert hast. Dann fehlt das Geld zum Zahlen. Dieser Artikel ersetzt keine Steuerberatung. Wie die allgemeine Wegzugsteuer funktioniert, liest du in meinem Beitrag zur Wegzugsteuer 2026.
Das Finanzamt schaut mit: der Datenaustausch
Ein Auslandsdepot ist kein Versteck. Über den Common Reporting Standard, kurz CRS, melden Banken in mehr als 100 Staaten die Kontodaten ihrer Kunden an deren Wohnsitzstaaten. Gemeldet werden unter anderem Kontostände und Erträge. In Deutschland sammelt das Bundeszentralamt für Steuern diese Informationen und leitet sie an die Finanzämter weiter.
Für dich heißt das: Solange du in Deutschland steuerpflichtig bist, gehören Auslandsdepot und Erträge korrekt in die Steuererklärung. Auch nach dem Wegzug bleibt das Thema relevant, weil der Austausch in beide Richtungen läuft und dein neues Wohnsitzland die Daten ebenfalls bekommt. Wer hier sauber arbeitet, erspart sich später unangenehme Rückfragen.
Was du dir merken solltest
Dein Depot wandert nicht von allein mit. Innerhalb der EU bleibt es oft erhalten, beim Wegzug in ein Drittland droht die Kündigung. Eröffne deshalb früh ein auslandstaugliches Depot, etwa bei Interactive Brokers oder CapTrader, solange du noch in Deutschland gemeldet bist. Der Übertrag deiner Wertpapiere auf dein eigenes neues Depot ist kein Verkauf und löst keine Steuer aus, achte nur auf die Anschaffungsdaten.
Die neue ETF-Wegzugsteuer betrifft fast nur große Einzelpositionen ab 500.000 Euro. Und vergiss nicht: Über den Datenaustausch kennt das Finanzamt dein Auslandsdepot ohnehin. Wer rechtzeitig plant, hat beim Geld eine Baustelle weniger. Welche Konten du parallel brauchst, habe ich im Vergleich von Wise, Revolut und Co. beschrieben, und die Reihenfolge der Behördengänge steht im Beitrag zum Wohnsitz abmelden.
Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick. Regeln der Broker, Steuergesetze und Meldepflichten können sich ändern und je nach Wohnsitzland abweichen. Verbindliche Auskünfte geben dein Broker und ein Steuerberater mit Auslandserfahrung. Stand: Juni 2026.