Es klingt nach einem Randthema, bis du im Ausland sitzt und die Mediathek schwarz bleibt. Deutsches Fernsehen und die gewohnten Streaming-Dienste sind für viele ein Stück Alltag, das man ungern zurücklässt. Die Frage ist selten, ob es technisch geht. Die Frage ist, was legal geht und wo der Anspruch endet.
Der entscheidende Punkt: Es gibt zwei getrennte Welten. Kostenlose öffentlich-rechtliche Angebote auf der einen Seite, bezahlte Abos auf der anderen. Für beide gelten unterschiedliche Regeln, und beide verändern sich, sobald aus dem Urlaub ein dauerhafter Wohnsitz wird.
Du planst, Deutschland zu verlassen, und willst wissen, welche deutschen Sender und Streaming-Dienste du im Ausland noch nutzen darfst, was die EU-Regeln abdecken und wo bei einem dauerhaften Umzug Schluss ist.
Warum ARD und ZDF im Ausland meist schwarz bleiben
Die Mediatheken und Livestreams von ARD und ZDF sind außerhalb Deutschlands in der Regel gesperrt. Der Zugriff wird über deine IP-Adresse erkannt, meldest du dich aus einem anderen Land an, wird geblockt. Das gilt selbst dann, wenn du in Deutschland weiter deinen Rundfunkbeitrag zahlst.
Der Grund liegt im Lizenzrecht. Die Sender erwerben Rechte oft nur für Deutschland. Viele Inhalte sind Koproduktionen, bei denen die beteiligten Produktionsfirmen darauf bestehen, dass die Beiträge nicht kostenlos im Ausland abrufbar sind. Ein zweiter Punkt kommt dazu: Weil die Mediatheken ein kostenloses Angebot sind, fallen sie nicht unter die EU-Portabilitätsverordnung. Die schützt nur bezahlte Abos.
Wer ohnehin gerade den Wegzug organisiert, sollte das mitdenken. Der Rundfunkbeitrag endet nämlich nicht automatisch mit dem Umzug, sondern muss separat gekündigt werden. Wie das läuft, steht im Artikel zum Rundfunkbeitrag abmelden beim Auswandern.
Was trotzdem läuft
Pauschal gesperrt ist aber nicht alles. Nachrichten sind Eigenproduktionen der Sender, dafür gibt es keine ausländischen Lizenzgeber, die etwas dagegen hätten. Die Tagesschau bekommst du deshalb weltweit ohne Umweg, über die Tagesschau-App, über tagesschau.de und über den YouTube-Kanal, dort auch Tagesthemen, Nachtmagazin und tagesschau24. Ähnliches gilt für einen Teil der übrigen Eigenproduktionen. Zuverlässig blockiert werden dagegen eingekaufte Filme, Serien und Sportrechte. Bevor du also ein VPN einrichtest, prüf erst, ob das, was du sehen willst, ohnehin läuft.
Was die EU-Portabilitätsverordnung wirklich abdeckt
Für bezahlte Dienste sieht die Lage besser aus. Die Verordnung (EU) 2017/1128 gilt seit dem 1. April 2018 in allen EU-Staaten und über das EWR-Abkommen auch in Norwegen, Island und Liechtenstein. Sie sorgt dafür, dass du dein kostenpflichtiges Streaming-Abo während eines vorübergehenden Aufenthalts in einem anderen EU-Land genauso nutzen kannst wie zu Hause. Rechtlich gilt die Nutzung dann als Nutzung in deinem Wohnsitzland. Zusatzkosten sind untersagt, und der Anbieter muss denselben Zugang mit denselben Funktionen bereitstellen.
Darunter fallen Dienste wie Netflix, RTL+, WOW, Joyn Plus+, DAZN, Sky sowie die Bezahlvarianten von Zattoo und Waipu.tv. Bei Zattoo und Waipu liegt die Grenze für die Mitnahme bei 90 Tagen pro Reise. Wichtig ist das Wort vorübergehend. Die Verordnung deckt Reisen, Urlaub und befristete Aufenthalte, nicht den dauerhaften Umzug.
| Angebot | Im EU-Ausland nutzbar? |
|---|---|
| ARD, ZDF Mediathek und Livestream | Nein. Kostenlos und damit ohne Portabilität, aus Lizenzgründen gesperrt. |
| Netflix, Sky, DAZN | Ja, bei vorübergehendem Aufenthalt. Netflix zeigt allerdings den lokalen Katalog. |
| RTL+, WOW, Joyn Plus+ | Ja, bei vorübergehendem Aufenthalt in der EU. Das kostenlose Joyn bleibt gesperrt. |
| Zattoo, Waipu.tv (Bezahl-Abo) | Ja, für bis zu 90 Tage pro Reise im EU-Ausland. |
Der Bruch: vorübergehend gegen dauerhaft
Hier liegt der Punkt, den die meisten übersehen. Solange du deinen Wohnsitz in Deutschland behältst und nur reist, bist du geschützt. Verlegst du den Wohnsitz dauerhaft in ein anderes EU-Land, endet der Anspruch auf deine deutschen Abo-Inhalte. Der Anbieter darf deinen ständigen Wohnort prüfen, etwa über die Rechnungsadresse, die Zahlungsmethode oder auf Nachfrage über eine Ausweiskopie.
In der Praxis heißt das meist nicht, dass dein Abo gekündigt wird. Es heißt, dass du automatisch den Katalog deines neuen Wohnsitzlandes bekommst. Bei Netflix ist das ohnehin weniger eine Sperre als ein Katalogunterschied: Andere Serien, andere Filme, oft andere Synchronfassungen. Deine deutschsprachigen Lieblingsinhalte können dabei verschwinden.
Wann genau der Wechsel vom vorübergehenden zum dauerhaften Aufenthalt greift, hängt am Wohnsitz. Das ist derselbe Punkt, an dem auch Meldeamt, Steuern und Bankkonto hängen. Wie du die Abmeldung sauber machst, steht im Artikel Wohnsitz abmelden beim Auswandern.
Drittstaaten wie Argentinien: kein Anspruch
Die Portabilitätsverordnung ist EU-Recht. Sie gilt in der EU und im EWR, nicht darüber hinaus. Ziehst du nach Argentinien, Thailand, Mexiko oder in die USA, hast du keinen rechtlichen Anspruch darauf, dein deutsches Abo weiterzunutzen. Was geht und was nicht, entscheidet allein der Anbieter über seine technischen Sperren und seine Nutzungsbedingungen.
Praktisch bedeutet das: In einem Drittstaat siehst du den dortigen Netflix-Katalog, die deutschen Mediatheken bleiben gesperrt, und Dienste wie RTL+ oder DAZN funktionieren ohne technischen Umweg meist gar nicht mehr. Das trifft besonders, wer wie ich Argentinien plant, weil dort weder die öffentlich-rechtliche noch die EU-Schiene greift.
Ein Sonderfall ist die Schweiz. Sie gehört weder zur EU noch zum EWR, die Portabilitätsverordnung gilt dort also nicht, obwohl sie mitten in Europa liegt. Beim Streaming steht damit schlechter da, wer in die Schweiz zieht, als jemand, der nach Norwegen geht. Was sonst für einen Umzug dorthin gilt, steht im Artikel Auswandern in die Schweiz.
Alle Schritte im Überblick
Die Guides zeigen dir, welche Behördentermine und Kündigungen wann anstehen. Von Abmeldung bis Ankunft.
Guides ansehenVPN: legal, aber kein Freifahrtschein
Der übliche technische Weg ist ein VPN mit deutschem Server. Verbindest du dich damit, wirkt dein Zugriff, als kämst du aus Deutschland, und Geoblocking läuft ins Leere. Die Nutzung eines VPN ist in Deutschland und den meisten Ländern legal, strafrechtliche Konsequenzen drohen in der Regel nicht, solange du den Dienst selbst abonniert hast.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens kann das Umgehen von Geosperren gegen die Nutzungsbedingungen des jeweiligen Dienstes verstoßen, im schlimmsten Fall sperrt der Anbieter das Konto. Zweitens erkennen große Anbieter viele bekannte VPN-Server und blockieren sie, dann läuft trotz VPN nichts. Einzelne Staaten wie der Iran oder China verbieten VPNs zusätzlich per Gesetz, das ist bei den typischen Auswanderungszielen aber nicht der Fall.
Ein VPN verschafft dir Zugang, verschafft dir aber keinen Rechtsanspruch. Wer sichergehen will, prüft vor dem Umzug, welche Dienste im Zielland offiziell verfügbar sind, statt sich allein auf technische Tricks zu verlassen.
Was du vor dem Umzug klären solltest
Ein paar Dinge lassen sich in Ruhe von Deutschland aus regeln, statt später aus dem Ausland.
- Prüfen, welche deiner Abos du wirklich weiter brauchst und welche im Zielland ohnehin nicht laufen.
- Bei EU-Zielen wissen, dass der Schutz mit der dauerhaften Verlegung des Wohnsitzes endet, nicht mit dem Grenzübertritt.
- Für den deutschsprachigen Nachschub Alternativen ansehen, etwa legale Auslandsangebote einzelner Sender oder internationale Kataloge.
- Wenn ein VPN geplant ist, den Dienst vor dem Umzug testen, solange du noch in Deutschland bist.
Was du dir merken solltest
Die Mediatheken von ARD und ZDF bleiben im Ausland überwiegend gesperrt, weil sie kostenlos sind und Lizenzen an Deutschland binden. Nachrichten und ein Teil der Eigenproduktionen laufen dagegen weltweit. Bezahlte Abos nimmst du innerhalb der EU mit, aber nur bei vorübergehendem Aufenthalt, geschützt durch die Verordnung (EU) 2017/1128. Mit dem dauerhaften Wohnsitz im Ausland endet dieser Schutz, du bekommst den lokalen Katalog. In Drittstaaten wie Argentinien gilt die EU-Regel gar nicht.
Wer das früh einplant, spart sich die Überraschung im neuen Zuhause. Das deutsche Fernsehen ist keine große Baustelle beim Auswandern. Aber es ist eine von den kleinen, die den Alltag im ersten Jahr spürbar machen.
Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ist keine Rechtsberatung. Angebote, Kataloge und technische Sperren der Anbieter ändern sich laufend und unterscheiden sich je nach Land. Prüfe die aktuellen Nutzungsbedingungen des jeweiligen Dienstes. Stand: August 2026.