Die meisten unterschätzen das Online-Banking beim Auswandern, bis sie das erste Mal eine SMS-TAN aus dem Ausland erwartet haben und keine angekommen ist. Die deutsche Handynummer wird im Ausland zur Sollbruchstelle. Roaming ist teuer, Prepaid läuft aus, Nummern werden vom Anbieter eingezogen, und ab 2026 ist SMS-TAN ohnehin nicht mehr regulär zulässig.
Die kurze Antwort vorweg. Wer aus dem Ausland weiter deutsches Online-Banking nutzen will, sollte vor dem Wegzug auf ein App-basiertes Verfahren wie photoTAN oder pushTAN umstellen oder einen chipTAN-Generator mitnehmen. Diese Verfahren funktionieren ohne deutsche SIM, weltweit über jede Internetverbindung. Das eigentliche Problem ist nicht die TAN, sondern die hinterlegte Adresse bei der Bank.
Du planst den Wegzug aus Deutschland und willst dein deutsches Girokonto, Depot oder die Tagesgeld-Anlage behalten. Du fragst dich, welches TAN-Verfahren im Ausland zuverlässig funktioniert und was du vor dem Umzug einrichten solltest.
Was 2026 mit SMS-TAN passiert
Seit September 2019 verlangt die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie der EU, kurz PSD2, eine starke Kundenauthentifizierung. Zwei unabhängige Faktoren aus den Kategorien Wissen, Besitz und Inhärenz müssen kombiniert werden. SMS-TAN erfüllt diese Vorgabe nur eingeschränkt, weil die SMS auf dem gleichen Gerät landen kann, auf dem das Banking läuft. Die BaFin hat SMS-TAN seit Jahren nur noch in Ausnahmen geduldet.
2026 läuft auch diese Übergangsregelung aus. Banken stellen reihenweise um. Deutsche Bank beendet SMS-TAN für Privatkunden, Commerzbank, comdirect und viele Sparkassen sind den Schritt schon gegangen. Wer auswandert und auf SMS-TAN angewiesen ist, sollte das Verfahren ohnehin wechseln, nicht aus Auswanderungsgründen, sondern weil es schlicht abgeschaltet wird.
Welche Verfahren ohne deutsche Handynummer funktionieren
Drei Verfahren funktionieren zuverlässig ohne deutsche SIM und ohne deutsche Mobilnummer. Sie unterscheiden sich darin, wie sie aktiviert werden und welche Hardware sie verlangen.
photoTAN
photoTAN nutzt einen optischen Code, der im Online-Banking angezeigt und mit einer App auf dem Smartphone eingelesen wird. Die App generiert daraus die TAN. Es wird keine SIM und keine Mobilnummer benötigt, eine Internetverbindung reicht. Aktiviert wird die App über einen einmaligen Aktivierungsbrief, der per Post an die hinterlegte Adresse geht. Bei der Deutschen Bank ist dieser Brief 30 Tage gültig, bei comdirect und Commerzbank kann er nachbestellt werden.
photoTAN bieten unter anderem Deutsche Bank, Commerzbank, comdirect, Postbank und einige Volksbanken an. Reisetopia und Bankdaten zählen über 250 Banken und Sparkassen, die photoTAN in irgendeiner Form unterstützen.
pushTAN
pushTAN funktioniert ähnlich, aber ohne optischen Code. Die Bank schickt die Transaktion direkt als Push-Nachricht an eine registrierte App, die TAN wird in der App bestätigt. S-pushTAN von Sparkassen und VR-SecureGo+ von Volks- und Raiffeisenbanken laufen ausdrücklich auf Geräten mit ausländischer Mobilnummer und auch auf Geräten ganz ohne SIM-Karte, solange WLAN verfügbar ist. Auch hier geht der Aktivierungsbrief mit QR-Code per Post an die hinterlegte Adresse.
chipTAN
chipTAN ist die smartphonefreie Variante. Ein kleiner Hardware-Generator liest die Bankkarte ein und erzeugt die TAN über einen Flickercode oder QR-Code auf dem Bildschirm. Es braucht weder SIM noch App noch Internet auf dem Generator. Sparkassen, Volksbanken, Raiffeisenbanken und BW-Bank unterstützen chipTAN. Geräte wie der Reiner SCT tanJack kosten einmalig 15 bis 40 Euro und gehen problemlos im Koffer mit. Wichtig zu wissen: DKB hat chipTAN Flickercode und chipTAN USB eingestellt. Deutsche Bank nutzt ein eigenes Lesegerät, das nicht mit Standard-chipTAN-Generatoren kompatibel ist.
| Verfahren | Smartphone nötig | Deutsche SIM nötig | Aktivierung |
|---|---|---|---|
| photoTAN | Ja | Nein | Aktivierungsbrief per Post |
| pushTAN | Ja | Nein | Registrierungsbrief per Post |
| chipTAN | Nein | Nein | Generator-Kauf, Karte einstecken |
| SMS-TAN | Ja | Ja | 2026 abgeschaltet |
Das eigentliche Problem ist die hinterlegte Adresse
Die TAN-Frage ist meist die einfachere. Das Problem ist die Wohnadresse bei der Bank. Deutsche Banken sind nach dem Geldwäschegesetz verpflichtet, die Adresse aktuell zu halten. Wer auswandert, muss das melden. Eine deutsche Postadresse-Lösung kann den Wegzug nicht verschleiern, sobald die Bank Hinweise hat, dass der Lebensmittelpunkt nicht mehr Deutschland ist. Mehr zur deutschen Postadresse steht im Artikel zur deutschen Postadresse für Auswanderer.
Banken reagieren auf den Wegzug sehr unterschiedlich. Die DKB erlaubt Wohnsitze in der EU, Norwegen, Liechtenstein und Island ausdrücklich und stellt Konten von Auswanderern aktiv um. Die ING verlangt einen Wohnsitz in Deutschland und kündigt Konten bei Wegzug. comdirect stellt um, hat in der Vergangenheit aber auch Bestandskonten ohne Begründung nach Jahren gekündigt. Sparkassen und Volksbanken entscheiden lokal, eine Aussage der einen Filiale gilt nicht für die andere.
Wer den Wegzug verschweigt und die Bank es bemerkt, riskiert die Kontosperre oder Kündigung. Die Bank kann zudem nach den Vorgaben des Investmentsteuergesetzes verlangen, eine Erklärung zur Abstandnahme vom Kapitalertragsteuerabzug einzureichen. Wer in einem EU-Land bleibt, behält in der Regel den Zugang. Außerhalb der EU wird es schnell eng.
Was du vor dem Wegzug erledigen solltest
Die Reihenfolge ist entscheidend. Erst einrichten, dann ummelden, dann ausreisen.
- App-Verfahren oder chipTAN noch in Deutschland aktivieren, solange der Aktivierungsbrief schnell ankommt
- Zwei Geräte für photoTAN oder pushTAN registrieren, falls eines kaputt geht oder verloren wird
- Mit der Bank klären, ob die geplante Auslandsadresse akzeptiert wird, schriftlich, nicht nur am Telefon
- Bei mehreren Konten überlegen, mindestens eine Reservebank zu behalten, deren TAN-Verfahren ohne deutsche SIM läuft
- Vorsorglich einen kleinen Bestand bei einer Drittland-tauglichen Direktbank wie Wise oder Revolut aufbauen, falls eine deutsche Bank das Konto kündigt
Ergänzend lohnt sich der Blick auf den Artikel zur Kreditkarte im Ausland, weil viele deutsche Kreditkarten dieselbe Adresspflicht haben wie das Girokonto.
Banking, Behörden und Steuern vor dem Wegzug
Die Guides zeigen, was du bei Konto, Versicherungen und Steuern regeln musst, bevor die deutsche Adresse wegfällt.
Guides ansehenWie sich die wichtigsten Banken im Ausland verhalten
Die folgende Übersicht zeigt den aktuellen Stand der Bank-Praxis bei Wegzug innerhalb der EU. Außerhalb der EU werden die Bedingungen für jede Bank schärfer, oft mit höheren Kontogebühren oder vollständiger Kündigung.
| Bank | Auslandsadresse EU | TAN-Verfahren |
|---|---|---|
| DKB | Akzeptiert in EU, EWR, Norwegen, Liechtenstein, Island | pushTAN App, kein chipTAN mehr |
| ING | Wohnsitz Deutschland Pflicht | photoTAN, irrelevant bei Wegzug |
| comdirect | Umschreibung möglich, kein Anspruch | photoTAN, mobileTAN |
| Deutsche Bank | Umschreibung möglich, Sondergebühren | photoTAN, eigenes chipTAN-Lesegerät |
| Sparkassen | Lokal entschieden, sehr unterschiedlich | S-pushTAN, chipTAN |
| Volksbanken | Lokal entschieden, sehr unterschiedlich | VR-SecureGo+, chipTAN |
Was du dir merken solltest
SMS-TAN ist 2026 erledigt, auch ohne Wegzug. Wer auswandert, sollte vorher auf photoTAN, pushTAN oder chipTAN umstellen, weil alle drei Verfahren ohne deutsche Handynummer funktionieren und nur einmalig per Aktivierungsbrief eingerichtet werden müssen. Aktivieren am besten noch in Deutschland mit kurzer Postlaufzeit. Den größeren Hebel hat die hinterlegte Wohnadresse. Die Bank muss vom Wegzug erfahren, und nicht jede Bank macht den Auslandswohnsitz mit. DKB ist innerhalb der EU der unkompliziertere Weg, ING fällt komplett raus, comdirect und Sparkassen sind Glückssache. Eine zweite Bank und ein Wise- oder Revolut-Konto als Reserve sind das beste Sicherheitsnetz.
Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick zum deutschen Online-Banking aus dem Ausland. Bedingungen und Umsetzung unterscheiden sich je nach Bank und Wohnsitzland. Vor dem Wegzug die eigene Bank schriftlich anfragen und die schriftliche Antwort archivieren. Stand: Mai 2026.