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Wer mit Hund oder Katze auswandert, denkt oft zuerst an die Flugbox. Falsch. Die Box ist das letzte Glied einer Kette, die viel früher beginnt. Mikrochip, Impfung, Bluttest, Pass, Gesundheitszeugnis, Quarantäne-Bestimmungen. Wer einen Schritt verpasst, fliegt im Zweifel ohne Tier.

Die kurze Version: Die EU regelt die Mitnahme von Hunden, Katzen und Frettchen sehr genau. Drittländer haben jeweils eigene Anforderungen. Drei Monate Vorbereitung sind das absolute Minimum, bei manchen Zielländern (Australien, Neuseeland) eher sechs.

Für wen dieser Artikel ist

Du planst die Auswanderung und willst Hund, Katze oder Frettchen mitnehmen. Egal ob innerhalb der EU, in ein gelistetes Drittland oder ein nicht-gelistetes Drittland. Der Artikel zeigt die EU-Grundregeln, die Drittland-Logik und die typischen Fallstricke.

Die drei Grundbausteine: Chip, Impfung, Pass

Egal wohin: Drei Dinge braucht jedes Tier, das mitreisen soll. Sie müssen in dieser Reihenfolge passieren, sonst zählt es nicht.

1. Mikrochip

Hund, Katze oder Frettchen müssen mit einem ISO-konformen Mikrochip nach den Normen 11784 und 11785 gekennzeichnet sein. Eine ältere Tätowierung wird nur anerkannt, wenn sie vor dem 3. Juli 2011 angebracht wurde und gut lesbar ist. Der Chip wird vom Tierarzt unter die Haut gesetzt und ist dauerhaft.

2. Tollwutimpfung

Erst nach dem Chippen wird gegen Tollwut geimpft, sonst ist die Impfung formal ungültig. Die Erstimpfung muss mindestens 21 Tage vor der Reise liegen. Auffrischungsimpfungen verlängern die Gültigkeit. Wer die Frist versäumt, beginnt von vorne.

3. EU-Heimtierausweis

Den Heimtierausweis stellt jeder ermächtigte Tierarzt aus. Voraussetzung: Wohnsitz in der EU. Im Pass werden Chipnummer, Impfungen, Behandlungen und (bei Bedarf) Titer-Test eingetragen. Der Pass ist die Eintrittskarte für jede Reise. Verloren gegangen heisst: neu beantragen, was Wochen dauern kann.

Reihenfolge zählt

Chip vor Impfung, Impfung vor Pass, Pass vor Titer-Test. Wer einen Schritt vorzieht, riskiert dass alles wiederholt werden muss. Beim Tierarzt explizit nach der korrekten Reihenfolge fragen.

EU-Land oder Drittland: Was sich ändert

Innerhalb der EU genügen Chip, gültige Tollwutimpfung und Heimtierausweis. Frettchen brauchen die Impfung erst ab einem Alter von 12 Wochen, junge Welpen unter 16 Wochen sind in einigen Ländern eingeschränkt zugelassen.

Bei Drittländern wird zwischen gelisteten und nicht-gelisteten unterschieden. Die EU führt eine Liste mit Drittländern, deren Tollwut-Status als ausreichend kontrolliert gilt (zum Beispiel USA, Kanada, Argentinien, Schweiz, Vereinigtes Königreich, Australien, Neuseeland und einige andere). Reise- und Rückreisebedingungen sind für gelistete Länder einfacher.

Tollwut-Antikörper-Titer-Test

Wer in ein nicht-gelistetes Drittland zieht und plant, später wieder in die EU einzureisen, muss vor der Ausreise einen Titer-Test machen. Der Test wird frühestens 30 Tage nach der letzten Tollwutimpfung in einem zugelassenen EU-Labor durchgeführt. Erfolgt der Test in der EU, entfällt bei Wiedereinreise die sonst übliche dreimonatige Wartefrist. Wird der Test erst im Drittland gemacht, gilt eine Wartefrist von drei Monaten ab Bluttest.

Der Titer muss mindestens 0,5 Internationale Einheiten pro Milliliter betragen. Bestanden: Eintrag in den Heimtierausweis, gilt lebenslang, solange die Tollwut-Auffrischungen rechtzeitig erfolgen.

Amtstierärztliches Gesundheitszeugnis

Für die meisten Drittländer braucht es zusätzlich ein Gesundheitszeugnis vom Amtstierarzt (Veterinäramt), nicht vom Haustierarzt. Es bestätigt Reisefähigkeit und Freiheit von ansteckenden Krankheiten. Gültigkeit oft nur 10 Tage. Frühzeitig planen, Termin sichern.

Zielland Anforderungen Quarantäne
EU-Land Chip, Tollwutimpfung, EU-Heimtierausweis Keine
USA / Kanada Chip, Impfung, Health Certificate (USDA-endorsed) Keine
UK Chip, Impfung, Health Certificate, Bandwurmbehandlung (Hund) Keine bei korrekten Papieren
Argentinien Chip, Tollwut, SENASA-Bescheinigung, Amtstierarzt Keine
Australien Titer-Test, mehrere Tests, lange Vorlaufzeit Bis 30 Tage Pflicht
Neuseeland Titer-Test, mehrere Vorbereitungsschritte 10 Tage Pflicht

Vor jedem Drittland-Umzug aktuelle Bestimmungen direkt beim zuständigen Veterinäramt des Ziellandes prüfen. Sie ändern sich häufig.

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Der Flug: Kabine, Frachtraum oder Tierspediteur

Wer fliegt, hat drei Optionen. Welche passt, hängt von Tiergrösse, Rasse und Strecke ab.

Kabine

Kleine Tiere bis etwa 8 Kilogramm Gesamtgewicht inklusive Transportbox dürfen bei den meisten Airlines mit in die Kabine. Die Box muss unter den Vordersitz passen. Bei Lufthansa beginnen die Gebühren bei rund 50 Euro innerdeutsch und gehen bis etwa 110 Euro auf Langstrecken. Anmeldung mindestens 72 Stunden vor Abflug.

Frachtraum als Übergepäck

Grössere Hunde reisen im klimatisierten und druckausgeglichenen Frachtraum. Die Transportbox muss IATA-konform sein: Hartplastik oder Glasfaser, Doppelnäpfe für Wasser und Futter, von aussen befüllbar, ausreichend Platz zum Stehen, Drehen und Liegen. Stroh als Einstreu ist verboten, erlaubt sind Decke, Karton oder Zeitungspapier. Frachtraum-Gebühren bei Lufthansa: 80 bis 190 Euro je nach Strecke.

Brachycephale Rassen

Stumpfnasige Rassen wie Mops, Französische Bulldogge, Englische Bulldogge oder Perserkatze haben ein erhöhtes Risiko für Atemnot bei Stress und Druckunterschieden. Lufthansa, KLM, British Airways und einige andere transportieren sie nicht im Frachtraum, oft auch nicht in der Kabine. Wer eine solche Rasse hat, sollte spezialisierte Tierspediteure kontaktieren oder über Schiffspassagen nachdenken.

Tierspediteur

Spezialisierte Tierspediteure organisieren Boxenbau, Veterinär-Termine, Zollabwicklung und den Transport selbst. Kosten je nach Strecke und Tiergrösse zwischen rund 800 und 3.500 Euro. Sinnvoll bei Quarantäneländern, brachycephalen Rassen oder mehreren Tieren gleichzeitig.

Was sich ab Oktober 2026 ändert

Die EU hat ihre Tiergesundheitsverordnung überarbeitet. Ab dem 1. Oktober 2026 gelten neue Tiergesundheitsbescheinigungen für Drittland-Reisen, ab dem 1. Januar 2028 neue Identifizierungsanforderungen und ein aktualisierter EU-Heimtierausweis. Pässe, die jetzt ausgestellt werden, behalten ihre Gültigkeit, müssen aber mit der Übergangsfrist auf das neue Format umgestellt werden.

Was du vor dem Umzug klären solltest

Aufgabe Vorlauf
Mikrochip setzen lassen Vor allem anderen, ohne Frist
Tollwut-Erstimpfung Mindestens 21 Tage vor Reise
Titer-Test (bei nicht-gelisteten Drittländern) Frühestens 30 Tage nach Impfung, mindestens 3 Monate vor Wiedereinreise EU
Amtstierärztliches Gesundheitszeugnis Meist max. 10 Tage vor Abflug, Termin früh sichern
Flug anmelden 72 Stunden vorher (Lufthansa), bei einigen Airlines mehr
IATA-Box besorgen und gewöhnen Mehrere Wochen vor Abflug, Tier soll Box kennen

Auch Apostillen und Beglaubigungen können relevant werden, etwa für die Übersetzung von Impfunterlagen ins Spanische, Portugiesische oder Englische. Frühzeitig beim Konsulat des Ziellandes nachfragen.


Was du dir merken solltest

Reihenfolge ist alles: Chip vor Impfung vor Pass. Bei Drittländern kommt der Tollwut-Antikörper-Titer-Test dazu, und der muss am besten vor der Ausreise in der EU erfolgen, sonst lange Wartefristen bei einer späteren Rückkehr. Quarantäneländer wie Australien und Neuseeland brauchen sechs Monate Vorbereitung. Brachycephale Rassen sind ein Sonderfall, oft nur über Tierspediteure transportierbar. Ab Oktober 2026 gelten neue Tiergesundheitsbescheinigungen, der alte Heimtierausweis wird in Etappen bis 2028 durch ein neues Format ersetzt.

Hinweis

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick zu EU-Regeln und typischen Drittland-Anforderungen. Konkrete Bestimmungen ändern sich häufig und unterscheiden sich nach Zielland und Rasse. Vor der Ausreise immer das zuständige Veterinäramt im Zielland und die gewählte Airline kontaktieren. Stand: Mai 2026.

Quellen und weiterführende Links