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Wer auswandert, denkt an Visum, Wohnung, Konto. An den Reisepass denken die meisten erst, wenn er irgendwann abläuft. Dann steht plötzlich eine kleine Behördenmission an, die unterschätzt wird, weil sie sich nach Behördenroutine anfühlt. Sie ist es nicht. Pass und Personalausweis können im Ausland weder verlängert noch per Post beantragt werden. Es gibt nur einen Weg, und der führt persönlich ins Konsulat.

Die kurze Antwort vorweg. Pässe und Personalausweise werden in Deutschland produziert. Das Konsulat nimmt den Antrag entgegen, erfasst die Fingerabdrücke und sendet den fertigen Pass nach mehreren Wochen aus Berlin an die jeweilige Vertretung. Plane sechs bis zwölf Wochen ein, je nach Land. Wer das nicht früh genug startet, fliegt mit einem vorläufigen Pass und einem schlechten Gewissen.

Für wen dieser Artikel ist

Du lebst dauerhaft im Ausland oder planst die Auswanderung und willst wissen, wie du Pass und Ausweis weiter sauber am Laufen hältst. Auch wenn der Pass noch ein, zwei Jahre gültig ist, lohnt der Blick. Die echten Probleme entstehen kurz vor Ablauf.

Warum überhaupt am Konsulat

Ein deutscher Reisepass kann grundsätzlich nicht verlängert werden. Er wird immer neu beantragt. Dabei gelten dieselben Anforderungen wie im Inland. Fingerabdrücke kommen auf den Chip, dazu Lichtbild, Unterschrift und die persönliche Identitätsprüfung durch einen Mitarbeiter der Vertretung. Das geht nicht per Post, nicht per Bevollmächtigtem, nicht digital.

Beim Personalausweis war das lange eine Lücke. Bis Januar 2013 konnten Deutsche im Ausland den Personalausweis nur eingeschränkt am Konsulat beantragen. Seit November 2022 nehmen alle deutschen Auslandsvertretungen Anträge an, auch solche, die früher nur als Passstellen geführt waren. Damit ist der Ausweis im Alltag im Ausland deutlich nützlicher geworden, vor allem für Bankgeschäfte und für die Identifizierung gegenüber deutschen Behörden auf Distanz.

Bearbeitungszeit und Kosten realistisch einschätzen

Pässe werden in Deutschland produziert und dann an die Vertretung verschickt. Das Auswärtige Amt nennt als Richtwerte rund sechs bis acht Wochen für Vertretungen in Europa und zehn bis zwölf Wochen für Vertretungen außerhalb Europas. Einzelne Konsulate liegen darunter, andere darüber. Wer einen festen Reisetermin hat, plant grundsätzlich von der Obergrenze aus.

Die Gebühren bewegen sich im Auslandstarif zwischen rund 50 und 150 Euro. Genau bemessen sich Pass- und Ausweisgebühr nach Alter und nach den Zusatzleistungen vor Ort, etwa wenn der Pass per Post zugestellt werden soll. Bezahlt wird in der Regel direkt beim Termin in Landeswährung oder Euro.

Dokument Bearbeitung am Konsulat Besonderheit
Regulärer Reisepass 6 bis 8 Wochen EU, 10 bis 12 Wochen Drittland Gültig 10 Jahre ab 24, sonst 6 Jahre
Expressverfahren Schnellere Produktion in der Bundesdruckerei 32 Euro Zuschlag, Postweg ist nicht beschleunigt
Vorläufiger Reisepass Wenige Tage, Direktausstellung im Konsulat 26 Euro, kein Chip, max. 12 Monate gültig
Personalausweis Vergleichbar mit regulärem Pass Antrag an jeder Vertretung möglich seit 2022

Express oder vorläufig: Was wirklich hilft

Das Expressverfahren beschleunigt nur den Produktionsschritt in der Bundesdruckerei. Der Versand an die Auslandsvertretung läuft im normalen Tempo, vor allem außerhalb Europas. In Ländern mit langer Zustellzeit nimmt der Express dem regulären Pass also weniger Zeit ab, als das Wort vermuten lässt. Trotzdem ist er die richtige Wahl, wenn am Ende auch nur drei Wochen zählen.

Der vorläufige Reisepass ist die echte Notlösung. Er wird am Konsulat selbst hergestellt und in der Regel innerhalb weniger Tage ausgegeben, sobald ein konkreter Reisegrund nachgewiesen ist. Praktisch heißt das Flugticket, Krankenhausunterlagen oder vergleichbare Belege. Der Pass enthält keinen Chip, ist höchstens zwölf Monate gültig und wird in vielen Drittstaaten nur eingeschränkt akzeptiert. Wer die USA, Kanada oder Australien ansteuert, prüft die Einreisebedingungen vorher.

Was oft schiefgeht

Termin zu spät gebucht. Die Konsulate in beliebten Wohnsitzländern haben mehrwöchige Vorlaufzeiten allein für den Antrag, nicht für die Bearbeitung. Wer vier Wochen vor Reise anfängt, ist meist schon zu spät. Sinnvoll ist eine Erinnerung 9 bis 12 Monate vor Ablauf des Passes, gleich nach Eintreffen ins Ausland.

Reisepässe für Kinder: Eltern unterschätzen das gerne

Bei minderjährigen Kindern verlangt das Konsulat die persönliche Vorsprache beider Sorgeberechtigter und des Kindes. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme. Wer alleinerziehend ist, einen anderen Sorgerechtsstatus hat oder dessen Partner nicht im Wohnsitzland lebt, organisiert vorher eine schriftliche Einverständniserklärung. Konsulate akzeptieren diese in der Regel mit beglaubigter Unterschrift.

Mitzubringen sind außerdem die Geburtsurkunde des Kindes mit Geburtsort, der bisherige Pass oder Kinderausweis sowie zwei biometrische Passfotos neueren Datums. Kinder unter 24 Jahren erhalten den Pass mit sechs Jahren Gültigkeit, nicht zehn. Familien mit zwei oder drei Kindern, die parallel ausgestellt werden müssen, planen besser einen ganzen Vormittag ein, weil die Erfassung der Fingerabdrücke pro Person Zeit braucht.

Was du außerdem brauchst

Für Erwachsene und Kinder gleichermaßen verlangen die Vertretungen ein vollständig ausgefülltes Antragsformular, biometrische Passfotos und den alten Pass. Ergänzend können Geburtsurkunde, Eheurkunde bei Namensänderung, Meldenachweis aus dem Wohnsitzland und der bisherige Personalausweis gefordert werden. Welche Vertretung was verlangt, steht jeweils auf deren Website. Wer den Termin bucht, bekommt in der Regel zugleich eine Checkliste der einzubringenden Unterlagen zugeschickt.

Praktische Reihenfolge vor und nach dem Wegzug

Vor dem Wegzug. Den Pass prüfen und, wenn er innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre abläuft, noch in Deutschland erneuern. Das spart später Wartezeit, Reisekosten zur Konsulatsstadt und Stress vor einer Reise. Wer es nicht mehr schafft, plant den Antrag fest in die ersten Monate nach dem Wegzug ein.

Im Ausland. Den eigenen Wohnsitz beim zuständigen Konsulat eintragen lassen, sofern das Land das ermöglicht. Das vereinfacht spätere Schritte und ist Pflicht bei manchen Anträgen. Einen Termin frühzeitig vereinbaren, mindestens drei Monate vor Ablauf des aktuellen Passes. Bei Familien lieber einen halben Tag blocken und alle Pässe in einem Rutsch erneuern.

Bei Visa- oder Aufenthaltsverlängerungen im Wohnsitzland. Den neuen Pass nach Erhalt sofort bei der lokalen Ausländerbehörde nachreichen. In vielen Staaten ist die Aufenthaltserlaubnis mit der Passnummer verknüpft. Wer das vergisst, hat einen gültigen Pass, aber faktisch keine saubere Identifikation für die laufenden Behördenkontakte.


Was du dir merken solltest

Reisepass und Personalausweis werden im Ausland nur am Konsulat neu beantragt, persönlich, mit Termin. Sechs bis acht Wochen Bearbeitung in Europa, zehn bis zwölf Wochen außerhalb. Express beschleunigt die Produktion, nicht den Versand. Der vorläufige Pass rettet eine konkrete Reise, taugt aber nicht als Ersatz. Bei Kindern müssen beide Eltern mit, oder es liegt eine schriftliche Einverständniserklärung vor. Wer einmal im Ausland lebt und den Pass nicht im Auge behält, verliert keine Gültigkeit, sondern Termine und Reisen.

Hinweis

Dieser Artikel beschreibt die allgemeine Praxis. Welche Unterlagen, Gebühren und Bearbeitungszeiten konkret für deine Vertretung gelten, steht jeweils auf der Website des zuständigen Konsulats. Vor der Reise zur Antragstellung dort prüfen und die aktuelle Checkliste herunterladen. Stand: Mai 2026.

Quellen und weiterführende Links